Auszüge aus dem 1. Patenbrief aus Chile


 

Auszüge aus dem 1. Patenbrief

Liebe Paten, liebe Freunde und meine liebe Familie,

Danke! Danke! Danke!!!

Das ist das, was ich als Erstes und Wichtigstes sagen moechte:

Danke, dass Ihr mir diese wunderschoene Erfahrung ermoeglicht und dass Ihr in dieser Mission mit mir geht!

Ich bin so gluecklich, dass Gott mich hierher gerufen hat und ich bin ganz sicher: es ist das schoenste Punto Corazon der Welt! ...

Nach einer etwas komplizierten, aber schoenen Anreise, ueber die allein ich einen Roman schreiben koennte, kam ich am Vorabend des chilenischen Nationalfeiertags muede aber neugierig und gluecklich in meinem Points-Coeur-Haus in Valparaiso, Playa Ancha, an. Der Empfang war so ueberwaeltigend fuer mich: meine Gemeinschaft empfing mich mit tausend kleinen liebevollen Geschenken (einem selbstgebackenen Kuchen, die Waende hatten sie fuer mich tapeziert (nagut, mit dieser Schilderung uebertreibe ich etwas) mit vielen “Bienvenida Maria!(Herzlich Willkommen, Maria!)”- Bildern, teilweise von Kindern aus dem Viertel, ein bunter Blumenstrauss, ein wunderschoenes Bild und ein Willkommensbrief an meinem Bett und viele Laecheln!!! Tausend kleine einfache schoene Zeichen, deren Geheimnis und liebevolle Macht ich seitdem beginne zu entdecken.

Die ersten Tage meiner Mission verbrachte ich wie im Traum. Ich fuehle mich so wohl in dieser Atmosphaere der Liebe und Freude, die in dieser Gemeinschaft ist.

Wir klopften also an ihre Wellblechtuer und riefen wie gewoehnlich, so dass es das halbe Viertel hoeren konnte, “Aalooo”(frage mich bitte keiner, warum sie hier halb Deutsch sprechen). Nach einigem Rufen oeffnete sie uns die Tuer und wie sie uns empfing! Mit strahlendem Gesicht und einer Umarmung, die sehr gut ausdrueckte, wie sehr sie sich freute, Besuch zu haben. Meine reservierte Begruessung( die fuer mich sehr herzlich war) liess sie nicht als Begruessung gelten und so lehrte sie mich erst mal wie ich sie begruessen sollte: Wie die beste Freundin der Welt, die ich schon seit Jahren kannte. Wir traten also ein in den kleinen Vorhof vor ihrem Haeuschen, wobei der ganze Boden voller Waesche, Kuebel mit Seife und Wasser und anderen ungewoehnlichen Dingen war. Ich war ein bisschen sprachlos. Jetzt kam es darauf an, mein Herz fuer sie zu oeffnen. Sie nicht als arme Frau mit seltsamen Angewohnheiten abzustempeln, sondern ihr ins Gesicht zu sehen, sie als meine Schwester in Christus anzunehmen. Jetzt galt es, ihre Schoenheiten zu erkennen. Da es einer meiner ersten Besuche war, machte Gott es mir ganz leicht. Wenn ich in ihr strahlendes Gesicht schaute, wenn ich ihre Bemuehungen sah, uns einen Sitzplatz inmitten der Waescheberge anzubieten: fuer mich drehte sie eine Blechtonne um und legte mit viel Sorgfalt eines ihrer gewaschenen Kinderoberteile darueber, dass meine Hose nicht schmutzig wird, das beruehrte mich so.

Und dann erzaehlte sie uns sehr einfach, was sie gerade erlebte: dass sie Kleidung sammle, wasche und dann in der Stadt verkaufe um Geld zu verdienen, dass aber zur Zeit nur sehr wenige Leute ihre Kleider kaufen wollen, aber dass sie Geduld haben und besser waschen muesse, dass die Leute mehr kaufen, dann erklaehrte sie uns, wie sie ihre Waesche wusch und dass sie traurig sei, da sie sich gerade mit ihrer Nachbarin gestritten hatte. Und wir? Wir hoerten zu…

Bevor wir uns verabschiedeten beteten wir gemeinsam ein Vater Unser und ein Ave Maria.Und wie sie betete! Wie eine kleine Tochter, die ihrem Vater und ihrer Mutter ganz vertraut und was ihre Lippen sagten, das sagte ihr Herz und war wirklich ihr Wunsch.

Und zum Schluss, als sie uns herzlich verabschiedet hatte, hat sie uns mehrmals hinterhergerufen “Gracias! Gracias! (Danke!)”. Ich war etwas verwirrt und fragte Vianney “Gracias? Aber wofuer denn? Wir muessen ihr doch danke sagen, wir haben ihr gar nichts gegeben.” “Nein, aber sie freut sich, dass wir sie besucht haben.”

Wie unglaublich dankbar ist sie! Sie, eine arme Frau in den Augen der Welt scheint mir tausendmal reicher und hat uns viel mehr geschenkt als es jemand mit viel Geld und Besitz tun haette koennen. Sie hat uns, die wir eine gute Bildung zu besitzen meinen, unser Herz, das Wichtigste der Welt gelehrt: Liebe und Dankbarkeit.

Nochmal herzlichen Dank fuer Eure Begleitung und euer Gebet! Ich vergesse Euch nicht und bete fuer Euch.

Con cariño,

Maria