Fotos von Rolands Aussendungsmesse
Auszüge aus dem ersten Patenbrief von Roland
Auszüge aus dem zweiten Patenbrief von Roland
Auszüge aus dem dritten Patenbrief von Roland
Auszüge aus dem vierten Patenbrief von Roland


 

Auszüge aus dem viertenPatenbrief

4. Patenbrief Santa Fé, 20.09.2009

Liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Freunde und Bekannte!

pünktlich zu meinem Geburtstag am 29. August, ist nach ziemlich genau einem Jahr meine Mission mit Puntos-Corazon in Santa Fe zu Ende gegangen. Ein bewegtes Jahr liegt hinter mir, voll von Momenten tiefer Freude, aber auch viel Schweres und Leidvolles haben wir als kleine Gemeinschaft durchlebt. Es ist nun für mich an der Zeit auf das Vergangene zurück zu blicken und zu versuchen, eine Art Resümee zu fassen. Ich stelle mir die Frage was bleibt, außer der Erinnerung an das kleine Stück geteilten Lebensweges und an die Augenblicke zwischen zweier Menschen. Was habe ich erfahren, das es Wert ist mitgeteilt und mit
anderen geteilt zu werden?...

Puntos-Corazon - eine Schule der Geduld

Dieses Jahr ist mit seinen unzähligen Begegnungen für mich besonders eine Schule der Geduld gewesen. Das fing bereits am ersten Tag an. Denn mit der Sprache, die ich in Deutschland lassen musste, war mit einem mal all meine Ausdrucksmöglichkeit und somit, man könnte sagen, der grösste Teil meiner Persönlichkeit selbst genommen! Ich war nicht ein mal in der Lage ohne Hilfe Brot einzukaufen und fühlte mich sehr arm in meiner Ohnmacht. Alle sagten mir lächelnd: “Das ist normal, du brauchst nur Geduld!” Geduld! Es war eines der ersten Wörter die ich lernte. Geduldig musste ich also zunächst mit mir selbst sein und im ertragen meiner Grenzen, wenn ich schmerzlich feststellen musste, dass es nicht so schnell ging, wie ich das gerne hätte.

Die Kinderfreunde sind vor allem anderen Gottessucher

Dieser Satz Pater Thierrys, des Gründers von Points-Coeur, hat mich besonders bewegt, als ich mich mit Jasi, Anisa, Liliana und später auch mit Silvano, Camila und Joanna aufgemacht habe, ihn an Orten zu suchen, wo man für gewöhnlich eher nicht nach ihm schaut: In Villa Hipodromo, einem Viertel Santa Fes, das andere selbst bei Tag besser meiden, weil es für Drogen, Gewalt und Prostitution steht; in einer schmutzigen Strasse, wo sich Hunde von allen möglichen Abfällen ernähren; in einem Gefängnis Argentiniens, in dem die Menschenrechte missachtet und Menschen jahrelang ohne Rechtsspruch im Ungewissen gelassen werden...

Gott kommt immer durch den Menschen in die Welt. Mit dieser Erkenntnis wird mit einem mal jede Begegnung immer tiefer zu einer Begegnung mit Christus. Plötzlich ist es nicht mehr irgendein Fremder, der Trost sucht, sondern es ist Christus. Plötzlich ist es nicht mehr Georgina, die uns um Essen bittet, weil ihre Mutter damit beschäftigt ist ihren Rausch auszuschlafen, sondern es ist Christus. Plötzlich ist es nicht mehr Javier, der verzweifelt einen Ort sucht, an dem er Liebe erfährt, sondern es ist Christus selbst.

Ich habe meine Mission mit Points-Coeur noch bis Ende November verlängert und helfe in dieser Zeit beim Aufbau des ICCC (International Center for a Culture of Compassion) nahe New York. Die Idee ist es, hier, abgelegen vom Grossstadttrubel für Geschäftsleute und besonders auch Künstler, die Möglichkeit zu schaffen, einen Ort der Ruhe und der Muse zu finden. Der Kontrast zum Leben in Santa Fe ist gewaltig! New York ist jung und Menschen von überall aus der Welt kommen hier her um für eine Weile zu versuchen sich einen Namen und das “Big Buisness” zu machen. Die Woche über arbeiten sie hart an ihrer Karriere und am
Wochenende wollen sie beim Geldausgeben Glück erfahren. Es gibt ebenfalls Drogen- und Alkoholprobleme und die Leute leiden an Einsamkeit umgeben von Millionen von Menschen...

 

 

Auszüge aus dem dritten Patenbrief

3. Patenbrief Santa Fé, 18.04.2009

“...es (gibt) nur eine Farbe, die dem Leben (...) Sinn gibt: Die
Farbe der Liebe.” (Marc Chagall)


Liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Freunde und Bekannte!

Das Osterfest dieses Jahr war für mich ungewohnt anders. Am
Palmsonntag sind wir tatsächlich mit echten Palmzweigen singend
durch die staubigen Straßen unseres Viertels gezogen und ich habe eine
Vorstellung davon bekommen, wie das wohl im alten Jerusalem
gewesen sein mag. In der Nacht auf Karfreitag hatten wir, wie jeden
Monat, eine Nacht der Anbetung vor dem Allerheiligsten in unserer
Kapelle und haben so mit dem Herrn auf dem Ölberg gebetet. Viele
Freunde des Viertels kamen vorbei um uns dabei zu unterstützen, die
Nacht durch zu wachen....

Man muss die Menschen kennen, in ihren einfachen Häusern
gewesen sein und ihre Lebensgeschichten kennen. Wie kann man
sonst den Wert begreifen, den zum Beispiel die Situation hat, in
der ein junger Mann bei dem 16. Geburtstagsfest unseres Point-
Coeur Hauses voll Freude darin aufgeht, sich beim Dosenwerfen
um ein paar Kinder des Viertels zu kümmern! Man muß zuvor
den Ausdruck in seinen Augen gesehen haben, mit dem er von
seiner eigenen Kindheit erzählt - wie er Lebensmittel im Müll
suchte, um sich zu ernähren - um die Freude zu begreifen, mit
der er nun an die kleinen Sieger Bonbons verschenkt!
Bis vor kurzem hatte er sich noch stets in einen Winkel seines
Hauses zurück gezogen, wenn die Kinderfreunde seine Frau
während sechs Jahren besuchen kamen. Jetzt nimmt er immer
öfter den 2 km langen Weg auf sich, um morgens zur Anbetung zu
kommen und um - wie er selbst sagt - den Frieden in unseren Gesichtern
anzutreffen, den er selbst nicht hat....

Ein anderes Wunder, von dem ich jetzt erzählen möchte, welches mich für
einen Moment in echtes Staunen versetzte, war das stolze Lächeln des
zehnjährigen José, als ich ihm sagte: “Steh schnell auf, ich brauche dich
dringend hier im Fußballtor!!” Als ich dieses stolze Lächeln sah, mit der ganzen
Freude darüber, in diesem einen Augenblick unentbehrlich zu sein, sah ich
plötzlich die ganze Person!...

 

 

Auszüge aus dem zweiten Patenbrief

2. Patenbrief Santa Fé, 22.12.2008

 

“Wir sind hier um zu lieben.”


Liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Freunde und Bekannte!

Dieses Weihnachten ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes ungewöhnlich.
Teilweise haben wir 40 Grad und die Sonne scheint bis 22 Uhr durch die
Palmen, denn heute mit dem längsten Tag hat endlich der Sommer in Argentinien
begonnen! Aus diesem Grund sind die Häuser höchstens vereinzelt
mit Lichtern geschmückt und auch der Duft von Glühwein fehlt. Adventskränze
gibt es kaum und winterliche Dekoration schon gar nicht. So
konzentriert sich mein Weihnachten dieses Jahr auf das Wesentliche:
Die Menschwerdung Christi.

Um uns auf das Weihnachtsfest vorzubereiten, haben wir mit den Kindern
in unserem Viertel ein Krippenspiel einstudiert. Wir haben den Text
vorgelesen und die Kinder haben die verschiedenen Szenen dargestellt:
Die Verkündigung des Engels an Maria
Der Traum Josefs
Der Besuch Mariens bei Elisabeth
Das Suchen der hl. Familie nach einer Unterkunft
Die Hirten auf dem Feld
Und natürlich die Geburt Christi im Stall

Die größte Freude für uns war dabei zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder an diesem Theater Anteil nahmen.
Zwar wurde Josef bis kurz vor Schluß immer wieder getauscht, doch jeden Tag standen die Kinder schon weit vor Beginn der Probe vor unserer Tür und baten um Einlass. Und es wurden jeden Tag mehr. Die Kinder hatten am Verkleiden einen großen Spaß und sind ganz in ihre Rollen hinein geschlüpft. So wurden die sonst oftmals rauen Kinder der Straße zu andächtigen Hirten, einer demütigen Maria oder würdevollen Engeln. Georgina hat mit besonderer Ernsthaftigkeit die bedeutungsvollen Bewegungen des Engels Gabriel ausgeführt.
Und als am Ende ganz plötzlich ein lebendiges Jesuskind in der Krippe lag, gab es keine Schauspieler mehr, sondern alle Kinder haben sich eilig um die Krippe versammelt und staunend das kleine Baby betrachtet....

“Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.”

Am Anfang war ich oft geneigt zu denken: “Was ist das für ein grausamer
Mensch, der einem anderen so etwas antut?! Man müßte ihn zur Rechenschaft
ziehen!” Doch immer wieder mußte ich erfahren, dass ich niemals
alle Faktoren im Blick habe, was das Leid und das Verhalten der Menschen
angeht. Meine Mission mit Puntos Corazon ist es daher, das Leid in Demut
zu “teilen”, statt über es zu “urteilen”.
Und dann geschieht es manchmal, daß uns die Menschen bitten mit ihnen zu beten
und für sie die richtigen Worte zu finden...

 

 

Auszüge aus dem ersten Patenbrief

1. Patenbrief 05.10.2008

“Die Kinderfreunde sind vor allem anderen Gottessucher”
P. Thierry de Roucy


Liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Freunde und Bekannte!


Nun bin ich schon vier Wochen in Santa Fe (Argentinien) und möchte Euch von
meinen ersten Eindrücken und Erlebnissen berichten. Zugegeben fällt mir das
gerade etwas schwer, da ich gar nicht recht weiß, wo ich überhaupt anfangen
soll. Hier ist alles anders: die Sprache, die Landschaft, das Klima, die Kultur, die
Menschen… Einer der ersten Argentinier, die ich hier traf, am Flughafen von Buenos
Aires, sagte mir ganz simpel aber treffend: “Das ist nicht Europa!”
Nach sechzehn Stunden Flug von Neapel (wo ich die Vorbereitung auf meine
Mission hatte) nach Buenos Aires, war ich am 05. September in Argentinien angekommen.
Am Flughafen wurde ich von Denis und Isabell (Missionare in Buenos Aires) mit
Mate empfangen. Mate ist hier quasi das Nationalgetränk. Es ist ein Tee, der in
einem kleinen Kürbis oder sonst einem Gefäß, mit heißem Wasser überbrüht,
durch eine Art Strohhalm getrunken wird. Je nach dem mit oder ohne Zucker.
Mate ist ein Gemeinschaftsgetränk und geht immer reih um. Überall sieht
man die Menschen mit Thermoskannen und sogar die Polizei serviert ihren
Mate auf der Motorhaube des Streifenwagens...


Das Points-Coeur Haus “Beata Laura Vicunia” in Santa Fe besteht aus zwei
kleinen Häusern, die durch einen Hof miteinander verbunden sind. Im
hinteren Haus habe ich mein Zimmer mit einem kleinen Bad und dem
Ton-Atelier. Alles ist äußerst schlicht und es gibt kein warmes, fließendes
Wasser. Das braucht man hier allerdings auch nicht sehr dringlich, denn
obwohl vor drei Tagen erst der Frühling begonnen hat, ist das Wetter eher mit einem heißen Tag im Juni bei uns vergleichbar. Der Frühling ist hier besonders schön und überall
blühen mir unbekannte Bäume in kräftigen Farben.

Das Gebet nährt die Herzen.
Man sagt uns: “Beten, warum?”
Ich antworte: “Essen, warum?
Sich des Gebetes enthalten,
ist das nicht genauso selbstmörderisch
wie der Hungerstreik?!
P. Thierry de Roucy

Wir sind Missionare und daher gehört besonders auch das Gebet zu unserem
Alltag. Wir beginnen den Tag mit der Laudes in unserer Kapelle und beschliessen
ihn auch hier mit dem Stundengebet. Ausserdem halten wir eine Stunde
Anbetung am Tag, beten den Rosenkranz und besuchen täglich die heilige Messe. Das
klingt nach ziemlich viel, aber ich bin sehr dankbar für diese Zeit des Gebetes, denn
das Gebet ist der Ort des Friedens.
In unserem Viertel gibt es sehr viel Unfriede, Haß und Gewalt. Jeden Tag kommen
Menschen bei uns vorbei, einfach so um „Hallo“ zu sagen, oft aber auch um sich jemandem
anzuvertrauen. Sie berichten was ihnen schlimmes widerfährt oder was sie
schlimmes getan haben, das sie nun quält! Da ist ein trauriger Jugendlicher der Drogen
nimmt und kommt um zu sagen, dass ihn dieses Leben mit Drogen nicht glücklich
macht...
Und bei all dem menschlichen Elend in unserem Viertel, wird das Gebet sehr
schnell zum täglichen Bedürfnis. Wenn man alles alleine aus sich heraus schaffen
möchte, stößt man sehr schnell an seine Grenzen.

Ganz viele Grüße aus Santa Fe!
Ciao con un beso!
Im Gebet verbunden!
Euer Roland